Bezirk Aue​rbach

Rathenaustraße 5
08209 Auerbach

ANFANGEN oder AUFHÖREN?!

Bei einem Radiosender, den ich ab und zu höre, gibt es eine Sendung, wo (meist bekannte) Menschen auf 10 Fragen kurze Antworten geben sollen. Ich frage mich, was ich auf die ein oder andere Frage wohl sagen würde und bin erstaunt, welche Antworten zu hören sind. Aus dem Fragekatalog wähle ich heute eine Frage aus und stelle sie hier:

„Was ist leichter für Sie, anfangen oder aufhören?“question mark 1020165 640

Bitte erst beantworten – dann weiterlesen. Unser Leben spielt sich häufig zwischen diesen beiden Polen ab. Aufbrechen - die Geburt, die ersten Schritte des Kindes, die Wahl eines Berufes, des Partners, des Wohnortes… Immer wieder stehen wir vor Abschlüssen und Neuanfängen. Mal ist der Aufbruch freiwillig, dann wieder werden wir gezwungen Neues zu beginnen. Am letzten Schultag gab es bei Johanna Tränen. Johanna will nicht in die 3. Klasse! Was willst du denn? „Ich will, dass alles so bleibt wie es ist – es ist doch gerade alles gut.“ Ja, denke ich so hätte ich es auch manchmal gerne, aber über die Jahre habe ich gelernt, dass das Leben immer Aufbruch und Veränderung ist und dass ich oft nur wenige Erinnerungen festhalten kann. Meist werden wir nicht gefragt, ob wir aufbrechen wollen oder nicht.

Wer heute eine Arbeit findet, muss oft den Wohnort mit der ganzen Familie wechseln. Man muss beweglich bleiben und sich auch selbst immer weiterentwickeln. Manche Aufbrüche erleben wir zunächst sogar als einen Zusammenbruch. Dann spüren wir mehr den Verlust in diesem Bruch als das Neue, das dahinter liegen könnte. Wenn eine Freundschaft zerbricht oder eine Ehe, ist das oft sehr schwer. Oder wenn ein Lebensweg durch Krankheit abrupt ganz anders verläuft oder es ganz schlimm kommt, und ein Mensch stirbt. Wenn wir jemanden verlieren, der ein fester Teil unseres Lebens war, dann fühlen wir im Aufbruch eher den Schmerz, der darin liegt. Das, was war, ist nicht mehr. Vertrautes geht mir verloren und ich bin verunsichert. Und die Zukunft liegt noch vor mir und ist mir vollkommen ungewiss. Ein Aufbruch ist ein Moment, in dem ich genau auf der Grenze stehe. Es gibt kein Zurück mehr und der Schritt in die Zukunft erfordert viel Mut. Mut zu neuem – anderem Leben.

So wird es auch Abraham ergangen sein, der auch an einer Schwelle steht. Gen. 12,1-4a: Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Er hört die Aufforderung Gottes, das Vaterland zu verlassen, seine Verwandtschaft und das Elternhaus hinter sich zu lassen. Das alles ist Vertrautes, ist Sicherheit. Etwas, das Abraham jeden Tag sehen und anfassen kann. Auf der anderen Seite steht die Verheißung Gottes, ihm neues Land und viele Nachkommen zu schenken. Das alles kann Abraham nicht sehen und anfassen. Es ist mehr eine Vision, eine Zukunftssicht. Abraham weiß, was er verlieren wird, sein Gewinn ist ein Wagnis. Und dieses Wagnis geht er ein. Dafür gibt es einen guten Grund: Es ist Gott, der ihn zum Aufbruch auffordert, und es ist Gott, der ihm etwas Neues verheißt. Gott ist das Bindeglied zwischen dem Vertrauten Alten und dem unbekannten Neuen. Gott steht mit Abraham an der Schwelle zwischen Vergangenheit und Zukunft. Abraham weiß aus der Vergangenheit, dasser Gott vertrauen kann. Alles, was er kennt, hat Gott ihm geschenkt.

Gott verspricht uns nicht, dass alles so bleibt, wie es ist. Er ruft uns zum Aufbruch und zur Veränderung. Aber ER weiß auch, dass nur der aufbrechen kann, der etwas hat, das Bestand hat. Ich kann Veränderungen nur angehen und überstehen, wenn auch etwas bleibt, das mir sicher ist. Gott ist mir sicher!! Es gibt kein Leben, das immer bleiben kann, wie es ist. Darin liegt Trost für die, die aufbrechen wollen, deren Leben sich verändert und die sich auf Neues freuen. Und Freude für die, die etwas ändern wollen. Darin liegt aber auch Angst für die, die jetzt glücklich und zufrieden sind und ihr Leben so behalten wollen, wie es im Moment ist.

Die Frage vom Anfang kann ich für mich nur im Vertrauen auf Gott und im Glauben beantworten. Ich bin dankbar für das Vergangene und deshalb fällt es mir manchmal schwer aufzuhören. Aber gleichzeitig habe ich gute Erfahrungen gemacht, wenn ich mit Gott aufgebrochen bin. Deshalb fange ich gern etwas Neues an. Im Vertrauen auf Gott bin ich gespannt, was er mit mir noch so vorhat. Im Glauben liegt viel Trost, Kraft und Hoffnung für alle Aufhörer und Neuanfänger.

Also, liebe Johanna und alle anderen, die gerade mitten in Veränderungen stecken oder auf solche zugehen – Gott selbst macht uns Mut und verspricht uns mitzugehen, egal ob wir den Aufbruch gerade als schön oder schrecklich oder beides zugleich empfinden. Leben bleibt immer Aufbruch, Bewegung und Veränderung, das ist sicher. So sicher wie der Segen, den Gott uns mitgibt. Damit aus jedem neuen Aufbruch neues Leben wächst.

Und so wünsche ich euch mit den Worten von Klaus-Peter Hertzsch (1989), eine gesegnete und behütete Zeit!

Eure Mandy Merkel

Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist,
weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt.
Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand,
sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.


Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit.
Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns
in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns
dahin leiten, wo er uns will und braucht.


Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt. Er
selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.
Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die
Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.

Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.

2. Thessalonicher 3,5

Wie das so ist: Ich möchte den Tag bewusst damit beginnen die Losung und den Bibeltext zu lesen und zu beten, da klingelt das Telefon…! Es geht um einen Termin und schon hab ich den Computer an und schaue in den Kalender. Ja und wenn der schon mal an ist, check ich auch gleich noch die Emails und die Nachrichten. Manchmal ist es gar nicht so
einfach, sich auf die „Liebe Gottes“ und die „Geduld Christi“ zu konzentrieren. Es gibt so viele Dinge, die mich ablenken.
Solange es sich nur um einen Anruf, eine SMS, eine Mail oder einen wichtigen Termin handelt, mag das alles nicht so dramatisch sein. Ganz anders die Situation der Christen in Thessaloniki.
Der Apostel Paulus schreibt einen Brief, denn er ist in Sorge. Werden die Thessalonicher dem zunehmenden Druck von außen standhalten? Viel
zu viel Zeit ist vergangen. Angst und Schrecken machen sich breit. Die bedrängende Frage ist, wann Jesus endlich wiederkommt! Manch einer verliert die Geduld… andere verlieren den Mut… wieder andere stehen sogar in der Gefahr, den Glauben an den Nagel zu hängen. Vor diesem Hintergrund schreibt der Apostel: „Der HERR lenke eure Herzen auf die Liebe zu Gott und auf das geduldige Warten auf Christus hin“. Wie kann das gelingen? Indem man das Handy und den Computer ausschaltet? Sicherlich brauchen wir Ruhephasen und zu bestimmten Zeiten auch
einen geschützten Raum. Dafür kann ich sorgen. Es ist an mir, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der HERR mich erreichen und verändern kann. Doch eins muss klar sein: Ich kann nur die Voraussetzungen schaffen. Alles andere wirkt der HERR selbst – sein Geist in mir. Deshalb bittet Paulus ja auch: „Der Herr richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes…“ Es ist die Liebe, mit der Christus mich geliebt hat, die mich liebenswürdig macht. Ich kann glauben, dass mein HERR und Gott mich so liebt, wie ich bin – so lieblos, so unausstehlich, so hartherzig, so ungeduldig, wie ich manchmal bin.

Indem ich mich auf die Liebe Jesu ausrichten lasse, sehe ich die Welt mit anderen Augen. Ich kann die Welt nicht retten, das sehe ich ein. Ich sehe aber die Not, die Ungerechtigkeit, die Herzlosigkeit um mich herum. Das alles ist manchmal schwer zu ertragen. Doch indem ich mein Herz auf Christus ausrichte, wird mir bewusst, was mein HERR bereit war, zu ertragen. Sein Leiden und Sterben weckt in mir neue Kraft. Ich gewinne neuen Mut, mich den Anforderungen des Alltags zu stellen. Dabei hilft mir dann auch der Gedanke, dass Christus einmal wiederkommen wird, um endgültig für Gerechtigkeit zu sorgen.

Diese Hoffnung gibt mir die nötige Kraft und den Mut nicht aufzugeben, weiterhin zu hoffen und zu beten – für Menschen, die die Liebe Gottes so nötig haben… für Menschen, die in Not sind, die zweifeln oder die es schon aufgegeben haben, auf das gnädige Eingreifen Gottes zu warten. Darüber hinaus muss ich zwangsläufig auch an Christen in Indien, Syrien, Ägypten, Nigeria oder Nordkorea denken, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden. Wie mag es ihnen wohl gelingen, ihre Herzen und Sinne auf Christus hin zu lenken?!
Doch schließlich bin ich wieder bei mir selbst. Ich muss sehen, dass ich mich nicht ablenken lasse. Denn Veränderung beginnt in mir – in meinem Herzen.
Nun beginnt so langsam die dunkle und kalte Jahreszeit. Lasst euch einladen, liebe Geschwister und Freunde, diese Zeit zu nutzen, um einmal zu überprüfen, was euch ablenkt, was eure Aufmerksamkeit fordert, über das nötige Maß hinaus. Wo steht ihr gerade und wo ist Gott? Stimmt die Richtung noch, oder solltet ihr lieber nochmal ein Stück zurück, um einen anderen Blickwinkel zu bekommen?

Ich wünsche uns allen, dass wir zur Ruhe kommen und unsere Herzen von IHM neu ausrichten lassen auf seine Liebe und auf das geduldige Warten auf Christus.

Gerhard Künzel

Schutzanzug

Epheserbrief im 6. Kapitel. Wir lesen die Verse 10 – 18: Noch ein letztes Wort: Werdet stark durch die Verbindung mit dem Herrn! Lasst euch stärken von seiner Kraft! Legt die Waffen an, die Gott euch gibt, dann können euch die Schliche des Teufels nichts anhaben. Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen. Wir kämpfen gegen unsichtbare Mächte und Gewalten, gegen die bösen Geister, die diese finstere Welt beherrschen. Darum greift zu den Waffen Gottes! Wenn dann der schlimme Tag kommt, könnt ihr Widerstand leisten, jeden Feind niederkämpfen und siegreich das Feld behaupten. Seid also bereit! Legt die Wahrheit als Gürtel um und die Gerechtigkeit als Panzer an. Bekleidet euch an den Füßen mit der Bereitschaft, die Gute Nachricht vom Frieden mit Gott zu verkünden. Vor allem haltet das Vertrauen auf Gott als Schild vor euch, mit dem ihr alle Brandpfeile des Satans abfangen könnt. Die Gewissheit eurer Rettung sei euer Helm und das Wort Gottes das Schwert, das der Geist euch gibt. Betet dabei zu jeder Zeit und bittet Gott in der Kraft seines Geistes. Seid wach und hört nicht auf, für alle Gläubigen zu beten. Sonnenaufgang

Hier wird ganz selbstverständlich festgehalten, dass es nicht um Menschen geht die uns Böses wollen, sondern dass es auf unserer Erde einen Gegenspieler Gottes gibt. In der biblischen Sprache heißt er Diabolos, was wörtlich übersetzt „Der Durcheinanderwerfer“ heißt. Die Mächte und Gewalten dieser Erde bemächtigen sich unser, sie verkehren unser Aufgebautes in Zerstörtes, sie wirken grundsätzlich destruktiv. Jesus hat das in einem Gleichnis mal sehr anschaulich gemacht. Er erzählte von einem Dieb, der nachts durch das Feld streifte und Samen vom Taumellolch, einem Getreide, das zwar dem Weizen ähnlich sieht, aber giftig ist, zwischen die Saat warf. So kann man sich diese Mächte und Gewalten vorstellen, von denen der Apostel redet. Sie streifen durch diese Welt und säen Böses mitten zwischen Gutem. Sie rütteln am Glauben und an der Gemeinschaft der Gemeinde. Sie stehen der Gemeinde gegenüber wie eine römische Armee, hochgerüstet, niemand hat eine Chance gegen sie. Doch Paulus macht uns Mut und hat eine Schutzkleidung für uns, sie sieht zwar nicht so imposant wie eine römische Rüstung aus, aber sie kommt von Gott, der alle Macht dieser Welt hat. Das Böse greift an, es ist wie ein römischer Soldat hochgerüstet. Diese Mächte sind am Werk, wo Krieg herrscht, Menschen uns böse  mitspielen, Terror und Angst um sich greifen, Fehlmeldungen und Verschwörungstheorien unser Urteilsvermögen beeinflussen. Der Diabolo hat viele Verkleidungen, aberimmer wirft er durcheinander, trennt, macht kaputt und zieht uns weg von der Liebe Gottes. Aber – und dieses Aber  müsste großgeschrieben sein: wir sind dem nicht hilflos ausgeliefert. Der Rüstung des Feindes steht die Rüstung Gottes gegenüber, er hält uns seinen Schutzanzug hin. Die Gerechtigkeit ist der Panzer, was meint, dass wir richtig sind durch Jesus, der für uns einsteht. Der Helm ist das Heil, die segnende Hand Gottes, die er uns auflegt und die uns schützt. Der Ledergurt um die Taille ist die Wahrheit. Gottes Wahrheit ist, dass er uns bedingungslos liebt und unser Leben will, deshalb können wir aufrecht gehen. Die Stiefel bedeuten die Botschaft vom Frieden. Weil wir mit Gott in Frieden sind und ihn nicht gegen uns haben, deshalb können wir mit festem Schritt auch unserem Gegner gegenübertreten. Ohne Rache und Hass, sondern mit Frieden im Rücken. Der Schild ist das Vertrauen auf Gott. Weil wir um unsere Heimat wissen, die unzerstörbar ist, brauchen wir keine Angst zu haben und können auch den Widrigkeiten beherzt entgegengehen. Die Verheißung Gottes, die wir 365-mal in der Bibel lesen: Fürchte dich nicht! Ich bin mit dir, bei dir, für dich da.“ Gilt unumstößlich. Wie bei allen Schutzanzügen hilft es nichts, wenn wir sie im Schrank lassen. Wir sollten sie immer griffbereit haben und am besten tragen. Wie machen wir das? Wohl so, dass wir in Jesu Nähe bleiben, unser Leben mit ihm gestalten, über ihn nachdenken und mit ihm reden. Ganz praktisch wird uns dieser Schutz im Gebet umfangen und durch unsere Fürbitte auch die erreichen, die gerade in besonderer Weise durch tiefe Täler gehen. „Betet dabei zu jeder Zeit und bittet Gott in der Kraft seines Geistes. Seid wach und hört nicht auf, für alle Gläubigen zu beten.“ So ausgerüstet und füreinander betend können wir uns den Herausforderungen des Alltags stellen und lassen uns von Gott führen und korrigieren, egal wer oder was uns durcheinanderbringen will.

Gemeindepädagogin Mandy Merkel


Hört nicht auf, zu beten und zu flehen!
Betet jederzeit im Geist;
seid wachsam, harrt aus und
bittet für alle Heiligen.
Epheser 6,18